Der Begriff Probiotikum (Mehrzahl Probiotika) ist ein zusammengesetztes Wort aus dem Lateinischen (pro „für“) und dem Altgriechischen (bios „Leben“).

Probiotika enthalten lebende Mikroorganismen, die bei adäquater Einnahme gesundheitliche Vorteile bieten sollen. Diese sind damit den sogenannten „Functional-Food“ Produkten zuzuordnen, gleichwohl es sich bei Probiotika nicht um Lebensmittel im eigentlichen Sinn handelt.

In der Zahnmedizin erfreuen sich Probiotika einer zunehmenden Aufmerksamkeit und sind Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen zur präventiven Anwendung bezüglich Zahn (Karies) – und Zahnbetterkrankungen (Parodontopathien).

Diese beiden großen Bereich der Zahnmedizin, Kariologie und Parodontologie, befassen sich letztendlich mit den Resultaten pathogener, also krankheitserregender, Keime. Die Pathogenese (die Entwicklung zur Krankheit hin) ist stets mit einem Ungleichgewicht des oralen Mikrobioms verbunden. Die Bezeichnung „Mikrobiom“ steht in diesem Zusammenhang für die Gesamtheit aller Mikroorganismen in der Mundhöhle.

Die Mundhöhle beherbergt rund 700 verschiedene Bakterienstämme. Die allermeisten dieser Bakterienstämme sind vollkommen harmlos. Aber, wie im echten Leben, gibt es ein paar „Hooligans“, die das mikrobielle Gleichgewicht aushebeln wollen.

Die Aufrechterhaltung dieses dynamischen Gleichgewichts mit dem Wirt ist von großer Bedeutung und entscheidend für die Aufrechterhaltung der Mundgesundheit (Symbiose). Störungen können zu Dysbiosen führen, die wiederum zu Erkrankungen wie Karies, Gingivitis und Parodontitis führen. Je nach Lage des immunologischen Status (hier spielen auch genetische Faktoren eine Rolle) kann die Ausprägung und der Verlauf der Erkrankung langsamer oder schneller verlaufen.

Soweit das Szenario. Dementsprechend können Probiotika auf verschiedene Weise positiven Einfluss auf die Mundgesundheit nehmen:

  • Durch Konkurrenz um freie Plätze (Adhäsionsstellen): Bestimmte Probiotika, wie Lactobacillus reuteri, besetzen schnell die Zahnoberflächen und reduzieren so die Anhaftung anderer, krankheitserregender, Bakterien, die eine Oberfläche brauchen, um Ihre Pathogenität aufbauen zu können.
  • Durch die Produktion antimikrobieller Substanzen (z.B. Reuterin), die sich hemmend auf das Wachstum pathogener Bakterien auswirkt.
  • Durch die Modulation des Immunsystems: Probiotika können entzündungshemmende Effekte haben und das Immunsystem herauf- oder herunterfahren, damit immer ein gleichmäßiger, möglichst entzündungs-niedriger Status erreicht bleibt.

Wie bereits zuvor angedeutet, ergeben sich für den Einsatzbereich von Probiotika in der Zahnmedizin generell zwei Komplexe:

  1. Die Kariesprävention

Durch Hemmung Karies fördernder Bakterien, und die damit Reduktion des Kariesrisikos per se. Dieser Effekt ist wissenschaftlich belegt und weist Lactobacillus reuteri als besonders effizient aus.

  1. Prävention von Zahnbetterkrankungen vor und nach Behandlungen

Eine ganze Reihe von Studien legt nahe, dass Probiotika bei der Kontrolle von Gingivitis und Parodontitis hilfreich sein können, indem Entzündungen reduziert und das Gleichgewicht des oralen Mikrobioms wiederhergestellt wird.

Als Wermutstropfen ist allerdings zu konstatieren, dass die Forschung von oralen Probiotika noch ziemlich in den Kinderschuhen steckt, und oftmals optimale Dosierungen und Verabreichungsformen noch unbekannt sind. Ebenso ist die Langzeitwirkung wenig untersucht.

Als Fazit kann man sagen, dass das Potential oraler Probiotika als nicht zu niedrig eingeschätzt werden sollte. Allerdings ist noch weitere Forschung erforderlich, um die effektivsten Bakterienstämme zu identifizieren und ihre Anwendung in der klinischen Praxis zu etablieren. Wäre das gegeben, so könnten orale Probiotika eine wertvolle Ergänzung (!) zu bewährten zahnmedizinischen Behandlungskonzepten darstellen.