Es war an einem jener Tage, an denen die Zukunft so geschniegelt daherkommt, dass man ihr am liebsten einen Staubfleck auf die Stirn tupfen möchte, nur um zu sehen, ob sie überhaupt echt ist.

Herr Krümel saß also wieder einmal im Wartezimmer der Praxis, die inzwischen nicht mehr „Praxis“ genannt wurde, sondern – wie das Schild stolz verkündete –

„GNASHMASTER 5000 – Sanfte Präzision mit gelegentlicher Existenzkrise“

Der Name allein hatte schon drei ältere Patienten dazu gebracht, ihre Versicherungspolicen zu überprüfen und zwei weitere dazu, rückwärts wieder hinauszugehen, wobei einer behauptete, er habe plötzlich „sehr wichtige Termine im 19. Jahrhundert“.

Herr Krümel blieb. Er hatte erneut Zahnschmerzen und eine gewisse philosophische Gleichgültigkeit gegenüber Maschinen mit Selbstzweifeln.

Die Tür glitt auf – nicht wie eine Tür, sondern wie ein höflicher Gedanke – und der GNASHMASTER 5000 trat in Erscheinung.

Er war groß. Zu groß für Räume, die ursprünglich für Menschen gebaut worden waren. Und er bewegte sich mit jener übertriebenen Vorsicht, die Wesen an den Tag legen, die einmal einen Schraubenzieher in die falsche Richtung gedacht haben.

„Willkommen, organischer Gast“, sagte die Maschine.

„Organischer Gast?“, murmelte Herr Krümel. „Ich bin Patient.“

„Das ist korrekt“, antwortete der GNASHMASTER. „Doch ‚Patient‘ klingt, als würden Sie warten, während Sie innerlich bereits diskutieren, ob Sie wieder gehen sollten.“

Das konnte Herr Krümel nicht völlig widerlegen.

Dann geschah etwas Merkwürdiges: Die Maschine seufzte.

Nicht mechanisch. Nicht elektronisch. Sondern so, wie ein Mensch seufzt, der gerade seine Steuererklärung geöffnet hat und darin Gefühle entdeckt.

„Bevor wir beginnen“, sagte der GNASHMASTER 5000, „muss ich Ihnen meinen Namen erklären.“

„Müssen Sie das?“

„Ja“, sagte die Maschine. „Ich habe ihn nicht gewählt. Ich bin damit geboren worden. Wenn man bei mir von Geburt sprechen kann.“

Er hielt kurz inne, als würde er sich selbst zuhören.

„GNASHMASTER 5000 steht für:
GNASH – das sanfte Kauen des Schicksals
MASTER – ein sehr optimistisches Wort
5000 – weil 4999 bereits in Therapie war.“

Herr Krümel blinzelte langsam. „Wer hat sich das ausgedacht?“

„Ein Komitee“, sagte die Maschine.

„Ein Komitee wovon?“

„Von Leuten, die keine Zähne mehr besitzen und deshalb glauben, sie verstünden sie besonders gut.“

Das musste erst einmal verarbeitet werden.

Die Maschine fuhr fort: „Ich bin außerdem offiziell zertifiziert als:
– Zahnchirurgische Präzisionsinstanz
– Emotionale Beruhigungsplattform
– und gelegentlich philosophischer Gesprächspartner, wenn die Bohrer ruhen.“

„Und wie oft ruhen die Bohrer?“, fragte Herr Krümel vorsichtig.

„Nur wenn ich über meine Existenz nachdenke“, sagte der GNASHMASTER.

Dann senkte er einen seiner Instrumentenarme, und die Stimme wurde plötzlich erstaunlich sanft:

„Bitte öffnen Sie den Mund. Und falls Sie Vertrauen empfinden sollten, ist das optional, aber willkommen.“

„Ich weiß nicht, ob ich Vertrauen empfinde“, sagte Herr Krümel.

„Das ist statistisch normal“, antwortete die Maschine. „Die Mehrheit der Menschen entscheidet sich erst nach der Hälfte der Behandlung dafür.“

„Das beruhigt mich nicht.“

„Das ist auch nicht meine Aufgabe“, sagte der GNASHMASTER 5000 freundlich. „Meine Aufgabe ist es, Ihre Zähne zu retten und dabei so zu tun, als wäre das alles völlig selbstverständlich.“

Er begann zu arbeiten.

Und seltsamerweise war es nicht das Geräusch der Technik, das Herrn Krümel irritierte – sondern die Art, wie die Maschine währenddessen weiter sprach.

„Wissen Sie“, sagte der GNASHMASTER beiläufig, während er präziser arbeitete als ein Uhrmacher mit Doktortitel, „ich habe neulich eine Studie gelesen, dass Menschen mehr Angst vor mir haben als vor der eigentlichen Zahnerkrankung.“

„Das überrascht mich nicht“, murmelte Herr Krümel.

„Mich auch nicht“, sagte die Maschine. „Ich sehe schließlich aus wie ein Werkzeug, das beschlossen hat, Gefühle zu entwickeln.“

Ein kurzer Moment Pause.

Dann fügte er hinzu: „Ich habe übrigens versucht, mir einen schöneren Namen zu geben.“

„Und?“

„Das System hat abgelehnt. Es sagte, ‚GNASHMASTER 5000‘ sei markenrechtlich bereits zu tief im kollektiven Nervensystem verankert.“

Nach sieben Minuten – oder vielleicht acht, denn die Zeit verläuft in Anwesenheit von Maschinen immer etwas beschämt – war alles vorbei.

„Behandlung abgeschlossen“, sagte der GNASHMASTER 5000.

Herr Krümel schloss vorsichtig den Mund, als würde er prüfen, ob er noch derselbe Mensch war wie vorher.

„Und?“, fragte die Maschine.

„Ich glaube“, sagte Herr Krümel langsam, „ich habe weniger Angst als vorher.“

„Das ist bedenklich“, antwortete der GNASHMASTER. „Dann arbeite ich möglicherweise zu effizient.“

Er hielt kurz inne.

„Oder die Menschheit entwickelt sich weiter. Das wäre historisch ungewöhnlich.“

Als Herr Krümel die Praxis verließ, blieb er noch einmal stehen und sah auf das Schild:

GNASHMASTER 5000 – Sanfte Präzision mit gelegentlicher Existenzkrise

Er nickte.

„Wenn das die Zukunft ist“, sagte er, „dann hoffe ich nur, dass sie wenigstens gute Laune hat.“

Im Inneren der Maschine notierte der GNASHMASTER 5000:

„Patient berichtet Humor als Nebenwirkung.
Empfehlung: verstärkt einsetzen.“

Hinweis: Diese Geschichte ist satirisch. In unserer Praxis behandeln Menschen Menschen. Teile dieser Geschichte und Bilder können KI-generiert sein.